Im Faktencheck bei ZDF heute: Zensiert TikTok in den USA nach der Übernahme politisch brisante Inhalte?

Die #TikTok-Übernahme in den #USA im #ZDF Faktencheck: Insgesamt spricht wenig dafür, dass die beobachteten Einschränkungen bei der Sichtbarkeit bestimmter Inhalte auf TikTok in den USA schlicht auf ein technisches Randproblem – etwa als Folgewirkung eines Stromausfalls – zurückzuführen sind. Dafür sind die Hinweise zu zahlreich und kumulativ: Influencer, User und teils auch Institutionen haben übereinstimmend Auffälligkeiten bei der Auffindbarkeit und Reichweite bestimmter Suchergebnisse und Inhalte beschrieben. Wenn sich ein Muster über verschiedene Zeitpunkte, Accounts und Kontexte hinweg zeigt, wirkt die Erklärung eines singulären Infrastrukturereignisses schnell wie eine zu einfache Antwort auf ein komplexeres Phänomen.

Hinzu kommt, dass die Effekte offenbar reproduzierbar waren und nicht nur ein einzelnes Thema betrafen, sondern vergleichbare, politisch hochsensible Felder, die unmittelbar die nationale Politik und innere Sicherheit der Vereinigten Staaten berühren – so die Debatten rund um die #Epstein-Affäre oder die neu geschaffene US-Einwanderungsbehörde „ICE“. In diesem Umfeld verschärft sich die politische Brisanz zusätzlich durch das neue Ownership- und Governance-Umfeld von TikTok US: Mit Oracle als zentralem Investor werden Beziehungen in Richtung Donald Trump diskutiert, während zugleich die Midterms in diesem Jahr als ohnehin aufgeheizter politischer Rahmen bevorstehen. Und selbst wenn in den letzten Tagen immer mehr Nutzer die App deinstalliert haben, bleibt die Reichweite enorm – denn Millionen US-Amerikaner nutzen die Plattform weiterhin, sodass die dortige Meinungsbildung im Vorfeld politischer Entscheidungen durchaus realen Einfluss entfalten kann.

Gleichzeitig ist kaum zu erwarten, dass ausgerechnet bei den Algorithmen kurzfristig mehr Transparenz und Klarheit geschaffen wird: Empfehlungssysteme und Moderationslogiken gelten allgemein in den sozialen Medien als Geschäftsgeheimnis und werden auch deshalb abgeschirmt, weil Offenlegung Manipulation erleichtern kann. Genau daraus entsteht aber ein strukturelles Problem, das weit über TikTok USA als einzelnen Anbieter hinausgeht: Viele Menschen beziehen tagesaktuelle politische Informationen primär über Social-Media-Feeds, ohne die technischen Mechanismen dahinter – Ranking, Downranking, Depriorisierung, Moderation – wirklich transparent nachvollziehen zu können. Das betrifft ebenso Plattformen in der EU wie Facebook und ist ein Kernbaustein dessen, was wir als Filterblasen beschreiben, indem sie auch #Desinformation befördern können. Besonders fatal wird diese Intransparenz dann, wenn sie in der Praxis einer mittelbaren Zensur nahekommt: Denn private Online-Netzwerke sind in aller Regel nicht zur Objektivität verpflichtet, sondern optimieren vor allem aus wirtschaftlichen Gründen ihre Reichweite und ihr Engagement.

https://www.zdfheute.de/politik/ausland/tiktok-usa-zensurvorwuerfe-epstein-100.html

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